Was Kräuterzigaretten sind
Eine Kräuterzigarette sieht aus wie eine Zigarette, wird angezündet wie eine Zigarette und raucht wie eine Zigarette – enthält aber keinen Tabak und kein Nikotin. Im Papier steckt eine Mischung getrockneter, geschnittener Kräuter, Blätter und Blüten. Diese Seite erklärt, was das Produkt technisch und rechtlich ausmacht, wie es sich von Tabak-, Hanf- und E-Zigarette sowie von Kräutersticks für Tabakerhitzer unterscheidet, wie es industriell und von Hand hergestellt wird und woher es kommt: aus einer Kulturgeschichte des Kräuterrauchens, die älter ist als der Tabak in Europa, und aus der lehrreichen Episode der Asthmazigaretten. Was die Seite nicht tut: das Produkt schönreden. Kräuterzigaretten befreien vom Nikotin, nicht vom Rauch – die Einzelheiten stehen auf der Seite Wirkung und Risiken.
Inhalt
- Definition: technisch und rechtlich
- Abgrenzung zu verwandten Produkten
- Aufbau und Abbrand einer Kräuterzigarette
- Wie Kräuterzigaretten hergestellt werden
- Industriell oder von Hand
- Typische Mischungen
- Wofür Kräuterzigaretten verwendet werden
- Kräuterrauchen in der Kulturgeschichte
- Die Asthmazigarette: ein Lehrstück
- Die moderne Kräuterzigarette seit dem 20. Jahrhundert
- Der Markt: Segmente und Herkunft
- Einordnung: was die Kräuterzigarette ist und was nicht
Definition: technisch und rechtlich
Technisch ist eine Kräuterzigarette schnell beschrieben: ein Strang aus geschnittenem Pflanzenmaterial, umhüllt von Zigarettenpapier, wahlweise mit einem Filter aus Celluloseacetat am Mundende. Alles, was die Tabakzigarette als Gebrauchsgegenstand ausmacht – das Format, die Glut, der Zug, das Ritual des Anzündens und Ausdrückens –, ist identisch. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Füllung: Wo bei der Tabakzigarette fermentierte und geschnittene Blätter der Pflanze Nicotiana tabacum liegen, steckt in der Kräuterzigarette eine Mischung aus getrockneten Kräutern, Blättern und Blüten, die von Natur aus kein Nikotin enthalten. Diese technische Nähe zur Tabakzigarette ist zugleich ihr Sinn und ihr Problem: Sie bedient dieselbe Gewohnheit und erzeugt denselben Verbrennungsrauch, nur ohne den Suchtstoff.
Der Begriff „Kräuter“ ist dabei weit gefasst. In den Mischungen finden sich Blätter (Königskerze, Himbeere, Brombeere), Kräuter im engeren Sinn (Damiana, Eisenkraut, Pfefferminze, Salbei), Blüten (Rose, Lavendel, Kamille), gelegentlich Rinden, Wurzelstücke, Fruchtschalen oder auch Teeblätter. Was zählt, ist weniger die botanische Kategorie als das Verhalten in der Glut: Das Material muss sich trocknen und schneiden lassen, gleichmäßig glimmen und einen Rauch abgeben, der nicht beißt. Welche Pflanzen sich dafür bewährt haben und welche man meiden sollte, beschreibt die Seite Typische Kräuter.
Rechtlich ist der Begriff präziser gefasst, als der Alltagssprachgebrauch vermuten lässt. Die europäische Tabakproduktrichtlinie von 2014 kennt neben Tabakerzeugnissen und elektronischen Zigaretten eine dritte Kategorie: das pflanzliche Raucherzeugnis. Gemeint ist ein Erzeugnis auf der Grundlage von Pflanzen, Kräutern oder Früchten, das keinen Tabak enthält und mittels eines Verbrennungsprozesses konsumiert werden kann. In Deutschland ist diese Definition mit dem Tabakerzeugnisgesetz von 2016 in nationales Recht übernommen worden. Drei Merkmale sind entscheidend: die pflanzliche Grundlage, die Abwesenheit von Tabak und die Bestimmung zum Verbrennen. Ein Produkt, das nur erhitzt oder verdampft wird, fällt nicht darunter; ein Produkt, das auch nur einen Anteil Tabak enthält, ist ein Tabakerzeugnis mit allen Folgen.
Aus der Einordnung als pflanzliches Raucherzeugnis folgen konkrete Pflichten, die auf der Seite Kauf & Recht ausführlicher stehen: Jede Packung trägt den Warnhinweis „Das Rauchen dieses Produkts schädigt Ihre Gesundheit“, Hersteller und Importeure müssen die Inhaltsstoffe den Behörden melden, und auf der Verpackung sind Angaben unzulässig, die das Produkt als weniger schädlich, vitalisierend, heilend, „natürlich“ oder „bio“ erscheinen lassen – ebenso der Hinweis, es sei frei von Zusatzstoffen. Der Gesetzgeber hat damit bewusst ausgeschlossen, dass die Abwesenheit von Tabak als Gesundheitsargument vermarktet wird. Hinzu kommt die Tabaksteuer: Obwohl kein Tabak enthalten ist, stellt das Steuerrecht die tabakfreie Zigarette der Tabakzigarette gleich, sodass eine in Deutschland legal verkaufte Kräuterzigarette dasselbe Steuerzeichen trägt wie eine Tabakzigarette. Gleichzeitig ist die rechtliche Kategorie breiter als das Alltagswort „Kräuterzigarette“: Auch tabakfreie Wasserpfeifenmischungen, lose Kräutermischungen zum Selbstdrehen und tabakfreie Pfeifenmischungen sind pflanzliche Raucherzeugnisse.
Sprachlich kursieren mehrere Bezeichnungen nebeneinander. „Kräuterzigarette“ ist die gebräuchlichste, „tabakfreie Zigarette“ die genaueste. „Kräutertabak“ ist ein Widerspruch in sich, hat sich aber für lose Mischungen eingebürgert, weil er die Verwendung beschreibt. „Nikotinfreie Zigarette“ trifft die Sache ebenfalls, wird aber auch für nikotinfreie E-Zigaretten benutzt und ist deshalb missverständlich. Im Englischen heißt das Produkt herbal cigarette, die Filmbranche spricht von prop cigarettes. Nichts davon ist zu verwechseln mit dem Räuchern von Kräutern in Schalen oder auf Kohle: Dort wird der Rauch in den Raum abgegeben, nicht gezielt in die Lunge gezogen – ein grundlegend anderer Vorgang, auch wenn dieselben Pflanzen beteiligt sein können.
Abgrenzung zu verwandten Produkten
Die Kräuterzigarette steht in einer Reihe von Produkten, die ihr in Form, Gebrauch oder Marketing ähneln, aber stofflich und rechtlich etwas anderes sind. Wer die Unterschiede kennt, versteht auch, warum die Kräuterzigarette in Diskussionen über Schadensminderung, Jugendschutz und Steuer immer wieder an einer anderen Stelle einsortiert wird als ihre Nachbarn.
Tabakzigarette
Die Tabakzigarette ist das Vorbild und zugleich der Gegenpol. Sie enthält Tabak und damit Nikotin, ein Alkaloid, das über die Lunge innerhalb von Sekunden das Gehirn erreicht und für die Abhängigkeit verantwortlich ist. Beim Verbrennen des Tabaks entstehen außerdem tabakspezifische Nitrosamine, eine Stoffgruppe, die sich aus den Tabakalkaloiden bildet und zu den stärksten Kanzerogenen des Rauchs gehört. Beides fehlt der Kräuterzigarette. Was sie mit der Tabakzigarette teilt, ist der Rest: Teer, Kohlenmonoxid, Feinstaub, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und reizende Aldehyde – die Produkte jeder unvollständigen Verbrennung organischen Materials. Wie eine Tabakzigarette aufgebaut ist und was in ihrem Rauch steckt, beschreiben die Schwesterseiten zigarette.com und tabak.org.
CBD- und Hanfzigarette
Hanfzigaretten enthalten Blüten oder Blätter der Hanfpflanze mit dem nicht berauschenden Wirkstoff Cannabidiol (CBD) und einem gesetzlich begrenzten Restgehalt an THC. Sie sind in den späten 2010er-Jahren aufgekommen, zuerst in der Schweiz, wo Hanf mit weniger als einem Prozent THC seit 2011 nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und Hanfzigaretten 2017 im normalen Einzelhandel auftauchten. Zwei Dinge sind zu beachten. Erstens: Viele Hanfzigaretten enthalten Hanf und Tabak gemischt – dann sind sie rechtlich Tabakerzeugnisse, mit Nikotin, Tabaksteuer und Tabak-Warnhinweisen. Nur die tabakfreien Varianten sind pflanzliche Raucherzeugnisse – der Tabaksteuer unterliegen sie in Deutschland trotzdem, weil das Steuerrecht tabakfreie Zigaretten den Tabakzigaretten gleichstellt. Zweitens kommt für alle Hanfprodukte die Cannabisgesetzgebung obendrauf, in Deutschland seit 2024 in neu geordneter Form, mit THC-Grenzwerten und eigenen Verkehrsregeln. Die klassische Kräuterzigarette hat mit Hanf nichts zu tun; diese Seite behandelt ausschließlich Mischungen ohne Cannabis.
E-Zigarette und Kräuter-Vaporizer
Die E-Zigarette verbrennt nichts. Sie verdampft eine Flüssigkeit aus Propylenglykol, Glycerin, Aromen und wahlweise Nikotin mit einer elektrisch beheizten Wendel und erzeugt ein Aerosol, keinen Rauch. Mit der Kräuterzigarette hat sie nur die Hand-zum-Mund-Bewegung gemein. Rechtlich bildet sie eine eigene Kategorie, in Deutschland einschließlich der nikotinfreien Liquids. Näher an der Kräuterwelt sind Kräuter-Vaporizer: Geräte, die getrocknetes Pflanzenmaterial in einer Kammer unter die Verbrennungstemperatur erhitzen, sodass flüchtige Bestandteile als Dampf austreten, ohne dass Glut entsteht. Sie stammen aus der Cannabisszene, werden aber auch mit Lavendel, Kamille, Salbei oder Damiana befüllt. Weil nichts verbrennt, entfällt der größte Teil der Verbrennungsschadstoffe; ein Raucherzeugnis im Sinne des Gesetzes ist der Inhalt nicht, und die Frage, wie solche Kräuter rechtlich einzuordnen sind, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Kräutersticks für Tabakerhitzer
Seit Tabakerhitzer verbreitet sind, gibt es tabakfreie Sticks für diese Geräte, meist auf der Basis von Teeblättern oder anderen Pflanzenfasern, die mit Glycerin und Aromen getränkt sind. Manche enthalten synthetisch hergestelltes Nikotin – dann sind sie nikotinhaltige Erzeugnisse mit den entsprechenden Folgen für Jugendschutz und Steuer –, andere sind nikotinfrei. Von der Kräuterzigarette unterscheiden sie sich in zwei Punkten: Sie werden erhitzt, nicht verbrannt, und sie funktionieren nur im Gerät. Die gesetzliche Definition des pflanzlichen Raucherzeugnisses setzt einen Verbrennungsprozess voraus, sodass nikotinfreie Kräutersticks in eine Lücke zwischen den Kategorien fallen; der Gesetzgeber hat auf die Erhitzerprodukte bislang vor allem bei Tabak und Nikotin reagiert.
Räuchermischungen und „Legal Highs“
Die gefährlichste Verwechslung ist die mit sogenannten Räuchermischungen. Unter diesem Namen tauchten in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre in Europa Kräutermischungen auf, in denen Ende 2008 aufgesprühte synthetische Cannabinoide nachgewiesen wurden – Substanzen, die an denselben Rezeptoren wirken wie THC, aber unberechenbar dosiert sind und wiederholt zu schweren Vergiftungen und Todesfällen geführt haben. Die Kräuter darin waren nur Trägermaterial; die Wirkung kam aus dem Labor. Deutschland hat darauf mit dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz von 2016 reagiert, das ganze Stoffgruppen verbietet. Mit Kräuterzigaretten haben diese Produkte nichts gemein außer dem Aussehen der Mischung.
Warnhinweis: Kräutermischungen, die mit Rauschwirkung, „Entspannung wie beim Gras“ oder ähnlichen Versprechen beworben werden und deren Inhaltsstoffe nicht vollständig deklariert sind, gehören nicht in die Kategorie Kräuterzigarette. Seriöse pflanzliche Raucherzeugnisse nennen jede Pflanze beim Namen und versprechen keine Wirkung. Auch pharmakologisch potente Pflanzen wie Stechapfel, Bilsenkraut oder Salvia divinorum haben in einer Kräuterzigarette nichts verloren; Letztere unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.
| Produkt | Füllung | Nikotin | Verbrennung | Rechtliche Kategorie (Deutschland) |
|---|---|---|---|---|
| Kräuterzigarette | Getrocknete Kräuter, Blätter, Blüten; kein Tabak | Nein | Ja, offene Glut | Pflanzliches Raucherzeugnis; Warnhinweis, Meldepflicht; steuerlich wie eine Zigarette behandelt; im Handel faktisch nur an Erwachsene |
| Tabakzigarette | Fermentierter Tabak, Zusatzstoffe | Ja | Ja, offene Glut | Tabakerzeugnis; Tabaksteuer, bildliche Warnhinweise, Aromenverbote |
| Hanfzigarette | Hanf mit CBD, oft mit Tabak gemischt | Nur bei Tabakanteil | Ja, offene Glut | Je nach Tabakanteil Tabakerzeugnis oder pflanzliches Raucherzeugnis; zusätzlich Cannabisrecht |
| E-Zigarette | Flüssigkeit aus Propylenglykol, Glycerin, Aromen | Wahlweise | Nein, Verdampfung | Eigene Kategorie einschließlich nikotinfreier Liquids; Liquidsteuer |
| Kräuterstick für Erhitzer | Teeblätter oder Pflanzenfasern mit Glycerin und Aromen | Wahlweise (synthetisch) | Nein, Erhitzung im Gerät | Uneinheitlich; mit Nikotin als nikotinhaltiges Erzeugnis erfasst |
| Kräuter im Vaporizer | Lose getrocknete Kräuter | Nein | Nein, Erhitzung unter Verbrennungstemperatur | Nicht als Raucherzeugnis erfasst; Einordnung offen |
Aufbau und Abbrand einer Kräuterzigarette

Eine Kräuterzigarette besteht aus drei Bauteilen, und jedes davon entscheidet über das Rauchverhalten mit. Das Zigarettenpapier ist ein dünnes, poröses Papier aus Flachs-, Hanf- oder Holzcellulose, das mit Calciumcarbonat gefüllt ist, um Weiße und Luftdurchlässigkeit zu erreichen. Die meisten Papiere enthalten außerdem Brennsalze, in der Regel Natrium- oder Kaliumcitrat, die den Abbrand des Papiers regulieren und dafür sorgen, dass es gleichmäßig mit der Füllung mitbrennt statt vorauszueilen oder zu erlöschen. Am Mundende sitzt bei den meisten Produkten ein Filter aus Celluloseacetatfasern, von einem Mundstückpapier umhüllt, der Partikel zurückhält und den Rauch kühlt. Dazwischen liegt die Füllung, der eigentliche Unterschied zur Tabakzigarette.
Wer einmal eine Kräuterzigarette geraucht hat, kennt ihre Eigenheit: Sie geht leicht aus, wenn man nicht zieht. Das hat einen chemischen Grund. Tabakblätter enthalten von Natur aus Nitrate, die beim Glimmen Sauerstoff nachliefern und die Glut auch ohne Zug am Leben halten. Die meisten Kräuter bringen diese Eigenschaft nicht mit. Ihre Glut ist auf die Luftzufuhr durch den Zug und auf die Brennhilfen des Papiers angewiesen. Hersteller begegnen dem, indem sie Pflanzen mit gutem Glimmverhalten als Basis wählen – Königskerze und Damiana sind hier die Klassiker –, den Schnitt und die Feuchte sorgfältig einstellen und Papiere mit entsprechend abgestimmten Brennsalzen verwenden. Ein Produkt, das nach jedem Zug erlischt, taugt weder als Requisite noch als Alltagsware.
Die Feuchte ist der zweite kritische Wert. Zu trockene Kräuter zerbröseln beim Schneiden zu Staub, füllen den Strang schlecht, brennen heiß und schnell und geben einen scharfen, kratzenden Rauch. Zu feuchte Kräuter glimmen schlecht, ziehen schwer und schimmeln in der Packung. Die Tabakindustrie hat für den Zielbereich der Feuchte jahrzehntelange Erfahrung; Kräuterhersteller mussten ihn für ihre Rohstoffe erst finden, denn ein flaumiges Königskerzenblatt, ein festes Himbeerblatt und ein Rosenblütenblatt nehmen Wasser ganz unterschiedlich auf und geben es unterschiedlich ab. Feuchthaltemittel wie Glycerin, Honig oder Melasse helfen, die Mischung im Zielbereich zu halten und geben nebenbei Geschmack.
Der dritte Wert ist der Zugwiderstand: der Unterdruck, den man aufbringen muss, um Rauch durch den Strang zu ziehen. Er hängt von der Dichte der Füllung, der Schnittbreite, dem Filter und der Porosität des Papiers ab. Kräuter mit viel Blattfläche und wenig Stängel lassen sich leichter zu einem gleichmäßigen Strang formen; grobe, holzige Anteile erzeugen Hohlräume und Kanäle, durch die die Zigarette „zieht wie ein Kamin“ und ungleichmäßig abbrennt. Das alles sind keine Feinheiten für Liebhaber, sondern die Stellgrößen, an denen man ein gut gemachtes von einem schlecht gemachten Produkt unterscheidet.
Was beim Abbrand entsteht, ist unabhängig davon, ob Tabak oder Kräuter in der Glut liegen, im Prinzip dasselbe: In der Glutzone bei mehreren hundert Grad verbrennt das Material unvollständig, dahinter destillieren und pyrolysieren die Pflanzenstoffe, und der entstehende Rauch – ein Aerosol aus Gasen und feinsten Tröpfchen – wird durch den noch unverbrannten Strang gezogen, wo sich ein Teil davon niederschlägt und beim nächsten Zug erneut mobilisiert wird. Kohlenmonoxid, Teerkondensat, Feinstaub und die typischen Verbrennungskanzerogene sind das Ergebnis, ganz gleich, was verbrannt wird. Was fehlt, sind Nikotin und die tabakspezifischen Nitrosamine. Was hinzukommt, hängt von den einzelnen Pflanzen ab – der Grund, warum die Auswahl der Kräuter nicht nur eine Geschmacksfrage ist, wie die Seite Wirkung und Risiken ausführt.
Wie Kräuterzigaretten hergestellt werden
Die Produktion einer Kräuterzigarette ähnelt der Tabakverarbeitung im Kleinen – mit dem Unterschied, dass die lange, aufwendige Fermentation des Tabaks entfällt und stattdessen die Vielfalt der Rohstoffe die Herausforderung ist. Fünf Schritte führen von der Pflanze zur Packung.
1. Rohstoff, Ernte und Trocknung
Die wenigsten Hersteller bauen ihre Kräuter selbst an. Sie beziehen sie als getrocknete Ware vom Kräuterhandel, oft in derselben Qualität, die auch für Tee und pflanzliche Arzneimittel gehandelt wird. Das ist kein Luxus, sondern Risikovorsorge: Geprüfte Handelsqualitäten sind auf Pestizidrückstände, Schwermetalle, Schimmelpilzgifte und Fremdbestandteile kontrolliert, während Ware unbekannter Herkunft all das mitbringen kann. Die Trocknung selbst folgt den Regeln der Kräuterverarbeitung: schonend, bei mäßiger Temperatur und guter Luftführung, damit ätherische Öle und Farbe erhalten bleiben und kein Schimmel ansetzt. Damiana und Königskerze, die tragenden Bestandteile vieler Mischungen, stammen aus Wildsammlung und Anbau: Damiana aus Mexiko und Mittelamerika, Königskerze überwiegend aus Süd- und Osteuropa sowie dem Mittelmeerraum; Minze, Eisenkraut, Himbeerblätter und Rosen kommen aus dem europäischen Kräuteranbau.
2. Reinigen, Konditionieren, Schneiden
Vor dem Schnitt wird die Ware gesiebt und von Stängeln, Staub und Fremdkörpern befreit. Dann wird sie konditioniert, das heißt mit Wasserdampf oder feinem Sprühnebel auf eine Feuchte gebracht, bei der sie sich schneiden lässt, ohne zu zerbröseln – derselbe Schritt, den die Tabakindustrie vor dem Schneiden vollzieht. Der Schnitt selbst erfolgt auf Schneidmaschinen, die die Blätter in schmale Streifen legen, breiter als Feinschnitt für Selbstdreher, aber schmal genug, dass sich der Strang gleichmäßig füllt. Flaumige Blätter wie die der Königskerze verhalten sich dabei anders als feste Himbeerblätter oder zarte Blütenblätter; Hersteller schneiden die Bestandteile deshalb oft getrennt und mischen erst danach.
3. Mischen und Soßieren
Beim Mischen entsteht die Rezeptur: ein Trägerkraut mit gutem Glimmverhalten und neutralem Geschmack, ergänzt um Aromakräuter in kleineren Anteilen. Viele Hersteller soßieren die Mischung anschließend, wieder nach dem Vorbild der Tabakverarbeitung: Eine wässrige Lösung aus Honig, Melasse, Fruchtauszügen, Glycerin oder Aromen wird auf das Schnittgut gesprüht, das dann in Ruhe durchzieht. Die Soße bindet Staub, hält die Feuchte, rundet den Geschmack ab und dämpft die Schärfe des Rauchs. Ob und was soßiert wird, ist Betriebsgeheimnis; die Tendenz geht bei seriösen Herstellern zu wenigen, deklarierten Zutaten, weil jeder Zusatz beim Verbrennen eigene Pyrolyseprodukte erzeugt. Nach dem Soßieren lagert die Mischung einige Zeit, damit sich die Feuchte gleichmäßig verteilt.
4. Rollen
Das Rollen übernehmen Zigarettenmaschinen, wie sie für Tabak gebaut sind – Strangmaschinen, die das Schnittgut auf ein endloses Papierband streuen, zu einem Strang formen, verkleben, auf Länge schneiden und im selben Durchgang mit dem Filter verbinden. Große Tabakwerke betreiben Maschinen, die viele tausend Zigaretten pro Minute ausstoßen; Kräuterhersteller arbeiten mit kleineren oder älteren Anlagen bei geringerer Geschwindigkeit, weil die Füllung anders fließt, sich anders verdichtet und schneller den Strang verstopft, wenn die Einstellungen nicht stimmen. Das Maschinenrollen ist der Grund, warum Kräuterzigaretten heute in Format, Festigkeit und Gleichmäßigkeit von Tabakzigaretten nicht zu unterscheiden sind – eine Voraussetzung für den Einsatz als Requisite, wo eine Zigarette in zwanzig Einstellungen gleich aussehen muss.
5. Verpacken und Kennzeichnen
Die fertigen Zigaretten werden in Schachteln oder Schiebepackungen verpackt, in der Regel in Folie eingeschweißt, um die Feuchte zu halten. Auf die Packung gehört der gesetzliche Warnhinweis für pflanzliche Raucherzeugnisse, dazu die vollständige Liste der Bestandteile. Angaben, die Gesundheit, Natürlichkeit oder Unbedenklichkeit suggerieren, dürfen nicht darauf stehen. Bevor ein Produkt in Verkehr gebracht wird, muss der Hersteller oder Importeur die Inhaltsstoffe der zuständigen Behörde gemeldet haben. Erst damit ist die Kräuterzigarette ein verkehrsfähiges Produkt.
Industriell oder von Hand
Neben der industriellen Fertigung existiert eine zweite Welt: die handgemachte Kräuterzigarette. Sie reicht von kleinen Manufakturen, die lose Mischungen in Beuteln anbieten, über den Verkauf von Hülsen und Stopfgeräten bis zu Menschen, die im eigenen Garten Kräuter trocknen und selbst drehen. Beide Wege führen zu einem Produkt, das aussieht wie eine Zigarette – aber sie unterscheiden sich in fast allem, was Qualität und Sicherheit ausmacht.
Die industrielle Fertigung hat drei Stärken: Gleichmäßigkeit, weil Maschinen jeden Strang mit demselben Gewicht und derselben Dichte formen; Kontrolle, weil geprüfte Rohstoffe verwendet und die Bestandteile gemeldet werden; und Abbrand, weil Feuchte, Schnitt und Papier aufeinander abgestimmt sind. Ihre Schwäche ist die Intransparenz der Rezeptur: Was genau soßiert wurde, erfährt man nur so weit, wie die Deklaration reicht. Die manuelle Herstellung kehrt das um. Man weiß genau, was drin ist, und kann Mischungen nach eigenem Geschmack zusammenstellen; dafür fehlt jede Kontrolle über Rückstände, Schimmel und Schnittqualität, und der Abbrand ist Glückssache. Selbst gedrehte Kräuterzigaretten sind meist zu locker oder zu fest, zu trocken oder zu feucht, und der Rauch ist entsprechend scharf.
| Merkmal | Industrielle Fertigung | Manuelle Herstellung |
|---|---|---|
| Rohstoff | Geprüfte Handelsware, oft Tee- oder Arzneibuchqualität | Eigene Ernte, Kräuterhandel, Teekräuter; Prüfung nur nach Augenschein |
| Trocknung und Feuchte | Kontrolliert konditioniert, mit Feuchthaltemitteln stabilisiert | Lufttrocknung; Feuchte schwankt mit Wetter und Lagerung |
| Schnitt | Maschinell, gleichmäßige Breite, Staub abgesiebt | Zerbröseln, Schere oder Kräutermühle; viel Feinanteil |
| Rezeptur | Betriebsgeheimnis; Bestandteile deklariert und gemeldet | Vollständig bekannt; keine Meldung, keine Fremdprüfung |
| Rollen | Strangmaschine mit Filteransetzer | Handdrehen, Stopfhülsen, Pfeife |
| Abbrand | Abgestimmt auf Papier und Trägerkraut; reproduzierbar | Unregelmäßig; erlischt häufig oder brennt zu heiß |
| Kennzeichnung | Warnhinweis und Inhaltsstoffliste vorgeschrieben | Entfällt im Privatgebrauch; gewerblich gelten dieselben Pflichten wie industriell |
| Typische Verwendung | Requisite, Handel, Rauchstopp-Übergang | Eigenbedarf, Experiment, Ritual |
Praxishinweis für Eigenmischungen: Wer selbst mischt, sollte sich auf wenige, gut bekannte Kräuter beschränken und drei Dinge beachten. Erstens keinen Huflattich verwenden – seine Pyrrolizidinalkaloide sind lebergiftig und potenziell krebserzeugend, auch wenn ihn alte Rezepte als Hustenkraut empfehlen. Zweitens keine Pflanzen mit starker pharmakologischer Wirkung, insbesondere keine Nachtschattengewächse wie Stechapfel, Bilsenkraut oder Tollkirsche, deren Alkaloide beim Rauchen unkontrolliert dosiert werden. Drittens nur einwandfrei getrocknete, schimmelfreie Ware aus geprüfter Herkunft. Und unabhängig von der Mischung gilt: Auch der beste Eigenbau ist Rauch, mit allen Folgen für die Lunge.
Ein Seitenblick auf die Zigarrenwelt zeigt, dass Handarbeit bei Raucherzeugnissen nicht grundsätzlich unterlegen ist – bei der kubanischen Zigarre ist sie das Qualitätsmerkmal schlechthin, wie die Schwesterseite kubanische-zigarren.org beschreibt. Der Unterschied liegt im Rohstoff: Tabak ist ein einziges, über Jahrhunderte auf Rauchbarkeit gezüchtetes und durch Fermentation vereinheitlichtes Material, das ein geübter Roller mit den Händen beurteilen kann. Eine Kräutermischung besteht aus einem halben Dutzend botanisch verschiedener Rohstoffe, deren Verhalten in der Glut sich erst durch Messen und Einstellen beherrschen lässt. Hier ist die Maschine der Handarbeit überlegen.
Typische Mischungen
So verschieden die Rezepturen der Hersteller sind, sie folgen fast alle demselben Bauplan. Den Hauptanteil bildet ein Trägerkraut: neutral im Geschmack, gut glimmend, mit weichem Rauch. Damiana, Königskerze und Himbeerblätter sind die verbreitetsten; sie liefern Volumen und Abbrand, ohne selbst viel Aroma beizusteuern. Darauf setzen Aromakräuter in kleineren Anteilen: Pfefferminze für Frische, Eisenkraut für eine herb-zitronige Note, Rosenblätter und Lavendel für blumige Töne, Salbei für Würze, Passionsblume und Kamille als milde Krautnoten. Ein dritter, kleinerer Anteil kann Zusätze enthalten, die den Geschmack runden oder die Feuchte halten – Honig, Melasse, Fruchtauszüge. Die genaue Gewichtung ist das, was eine Marke von der anderen unterscheidet, und wird wie beim Tabak nicht offengelegt; die Liste der Bestandteile schon.
Auffällig ist, was in guten Mischungen nicht vorkommt. Pflanzen mit starker Eigenwirkung – Stechapfel, Bilsenkraut, Beifußarten in größeren Mengen, exotische „Wirkkräuter“ – fehlen, weil sie entweder gesundheitlich problematisch sind oder Werbeversprechen nahelegen, die für Raucherzeugnisse verboten sind. Auch Huflattich, historisch das Hustenkraut schlechthin und in alten Rezepten allgegenwärtig, ist wegen seiner Pyrrolizidinalkaloide aus seriösen Rezepturen verschwunden. Die moderne Kräuterzigarette ist, was ihre Bestandteile angeht, absichtlich unspektakulär: Sie soll rauchen, schmecken und keine Wirkung entfalten. Genau diese Bescheidenheit unterscheidet sie von ihren historischen Vorläufern, wie der Abschnitt über die Asthmazigaretten zeigt.
Eine besondere Rolle spielt die Pfefferminze. Ihr Menthol ist in Tabakzigaretten europaweit verboten, weil es den Rauch weicher macht und den Einstieg erleichtert; die Aromenverbote der Tabakproduktrichtlinie zielen jedoch auf Tabakerzeugnisse, sodass mentholhaltige Kräuterzigaretten weiterhin erlaubt sind. Das ist rechtlich konsequent und gesundheitlich ambivalent, denn der Effekt – ein kühler, weniger kratzender Rauch, der tiefer inhaliert wird – ist bei Kräutern derselbe wie bei Tabak. Die Eigenschaften der einzelnen Kräuter, ihre Herkunft und ihre Risiken beschreibt die Seite Typische Kräuter; die Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Wofür Kräuterzigaretten verwendet werden
Vier Verwendungen tragen den Markt, und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
- Requisite. Film, Fernsehen und Theater arbeiten seit Jahrzehnten fast ausschließlich mit Kräuterzigaretten, wenn eine Rolle rauchen muss. Die Gründe sind Arbeitsschutz – niemand soll für eine Rolle Nikotin konsumieren, schon gar nicht in zwanzig Wiederholungen –, Rauchverbote an Drehorten und die Notwendigkeit, dass eine Zigarette von Einstellung zu Einstellung gleich aussieht und gleich abbrennt. Bekannt wurde das etwa bei Serien, die im Milieu der 1960er-Jahre spielen und deren Figuren in fast jeder Szene rauchen: Was dort glimmt, ist Kräutermischung. Die Einzelheiten stehen auf der Seite Film & Bühne.
- Übergang beim Rauchstopp. Manche Menschen nutzen Kräuterzigaretten, um das Ritual des Rauchens vom Nikotin zu entkoppeln: Die Hand-zum-Mund-Bewegung, die Pause, das Anzünden bleiben, der Suchtstoff fällt weg. Der Ansatz ist nachvollziehbar, aber zweischneidig, weil er das Ritual trainiert, das man eigentlich verlernen will, und die Schadstoffbelastung fortsetzt. Fachgesellschaften empfehlen ihn nicht. Was dafür und was dagegen spricht, wägt die Seite Rolle beim Rauchstopp ab.
- Geschmack und Lebensstil. Eine kleine Gruppe raucht Kräuterzigaretten, weil sie gelegentlich rauchen, aber kein Nikotin konsumieren will – aus gesundheitlichen, weltanschaulichen oder schlicht geschmacklichen Gründen. Das ist legitim, solange man sich nicht einredet, das Produkt sei harmlos: Rauch bleibt Rauch.
- Ritual und Tradition. In einigen Kulturen und spirituellen Praktiken wird Kräuterrauch mit Bedeutung aufgeladen, vom Pfeifenritual nordamerikanischer Völker bis zu neueren, eher esoterischen Anwendungen. Hier steht nicht der Konsum im Vordergrund, sondern die Handlung; die gesundheitliche Bilanz ist trotzdem die eines Raucherzeugnisses.
Was Kräuterzigaretten nicht sind: ein Arzneimittel. Das war historisch anders, und die Werbung mancher Anbieter tut bis heute so, als seien beruhigende, atemwegsfreundliche oder „reinigende“ Effekte zu erwarten. Solche Aussagen sind für Raucherzeugnisse unzulässig, und die Studienlage zu gerauchten Kräutern gibt sie nicht her. Was Tee oder Tinktur einer Pflanze bewirken, lässt sich nicht auf ihre Verbrennungsprodukte übertragen.
Kräuterrauchen in der Kulturgeschichte

Das Einatmen von Pflanzenrauch ist eine der ältesten Praktiken der Menschheit, und Tabak ist darin nur ein später Neuzugang. Lange bevor die Tabakpflanze nach Europa gelangte – ihre Geschichte erzählt die Schwesterseite tabak.org –, wurden auf allen Kontinenten Kräuter verbrannt, verräuchert und geraucht: als Medizin, als Ritual, als Genuss und als Ersatz, wenn nichts anderes zu haben war. Die moderne Kräuterzigarette steht am Ende dieser langen Linie, auch wenn sie sich davon kaum noch etwas anmerken lässt.
Antike Heilkunde: Huflattich durch das Rohr
Die älteste gut belegte Beschreibung des Kräuterrauchens als Therapie stammt aus der römischen Antike. Plinius der Ältere empfiehlt in seiner Naturgeschichte gegen hartnäckigen Husten, getrocknete Huflattichwurzel auf Kohlen zu legen und den Rauch durch ein Rohr einzuatmen; Dioskurides, der Arzt und Pharmakologe des ersten Jahrhunderts, überliefert Ähnliches. Der Huflattich – lateinisch Tussilago, wörtlich „Hustenvertreiber“ – blieb über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit das Rauchkraut der europäischen Volksmedizin. Der englische Kräuterkundige Nicholas Culpeper empfahl im 17. Jahrhundert, die getrockneten Blätter „wie Tabak“ zu rauchen, und noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert verkauften britische Apotheken einen herb tobacco aus Huflattich, Betonie, Rosmarin, Thymian, Lavendel und Kamillenblüten als Alternative für Menschen, die den Tabak nicht vertrugen. Dass gerade der Huflattich heute wegen seiner leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide aus den Mischungen verbannt ist, gehört zu den Pointen dieser Geschichte.
Nordamerika: Kinnikinnick und die heilige Pfeife
In Nordamerika war das Rauchen von Pflanzenmischungen schon vor der Ankunft der Europäer tief in Ritual und Alltag verankert. Viele Völker des Ostens und der Prärien rauchten Kinnikinnick, ein Wort aus den Algonkin-Sprachen, das schlicht „Mischung“ bedeutet. Die Bestandteile wechselten mit der Region: Blätter der Bärentraube, die innere Rinde des Hartriegels, Sumachblätter, gelegentlich Tabak der Art Nicotiana rustica, der deutlich stärker ist als der heutige Kulturtabak und oft nur einen kleinen Anteil ausmachte. Die Mischung wurde in Steinpfeifen geraucht, die bei Verhandlungen, Bündnissen und Zeremonien den Kreis durchwanderten. Das Rauchen war hier weniger Konsum als Kommunikation – mit den Anwesenden und mit dem, was als heilig galt. Europäische Händler übernahmen das Wort und die Praxis; in der Pelzhandelszeit bezeichnete Kinnikinnick jede Streckung des knappen Tabaks mit Rinden und Blättern.
Indien: Rauch als Arznei
Die ayurvedische Medizin kennt seit der Antike das dhumapana, das Rauchtrinken: Kräuter werden zu einem Stab geformt, entzündet, und der Rauch wird durch ein Rohr eingeatmet, um Erkrankungen der Atemwege, des Kopfes und der Sinnesorgane zu behandeln. Die klassischen Lehrtexte beschreiben Rezepturen, Anwendungszeiten und Gegenanzeigen so detailliert wie eine moderne Arzneimittelmonographie. Eine dieser Anwendungen sollte Weltgeschichte schreiben: Das Rauchen von Stechapfel gegen Atemnot, in Indien seit langem gebräuchlich, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts von britischen Ärzten nach Europa gebracht und begründete dort die Ära der Asthmazigaretten. Bis heute existieren in Indien tabakfreie Bidis aus ayurvedischen Kräutern wie Tulsi, Nelke, Kurkuma und Süßholz, die sich als Alternative zu den tabakhaltigen Bidis verstehen – ein eigenes, kaum reguliertes Segment des Kräuterzigarettenmarkts.
Europa: Ersatz in Notzeiten
Als der Tabak im Europa des 17. Jahrhunderts zum Massenkonsumgut wurde, wurde er zugleich zum Objekt von Verboten, Zöllen und Knappheit – und überall dort wichen die Raucher auf Kräuter aus. Die eindrücklichsten Beispiele liefern die beiden Weltkriege. Als der Tabakimport nach Deutschland zusammenbrach, entstand ein ganzer Markt für Ersatztabak: Berichte aus der Zeit nennen Buchenlaub, Hopfen, Huflattich, Kirsch-, Brombeer- und Walnussblätter, Rosenblätter und allerlei Gartenkräuter, die getrocknet, geschnitten und mit Restbeständen echten Tabaks gestreckt wurden. Nach 1945 wurde in Gärten und auf Balkonen Tabak selbst angebaut, und wer keinen hatte, rauchte Teeblätter oder wieder Kräuter. Diese Erfahrung prägte den Ruf der Kräuterzigarette in Deutschland für Jahrzehnte: Sie galt als Armeleutesache, als Ersatz für das Echte, nicht als eigenständiges Produkt. Erst die Requisitenbranche und die Rauchstoppbewegung des späten 20. Jahrhunderts gaben ihr eine neue Identität.
Rausch, Religion und das Verdampfen
Nicht jede historische Rauchpraxis war harmlos oder auf Kräuter im heutigen Sinn beschränkt. Herodot beschreibt im fünften vorchristlichen Jahrhundert, wie die Skythen Hanfsamen auf glühende Steine in geschlossenen Filzzelten warfen und den Dampf genossen – kein Rauchen im engeren Sinn, eher eine berauschende Schwitzhütte, aber ein Beleg dafür, wie alt das Interesse an inhalierten Pflanzenstoffen ist. In vielen Kulturen war Rauch außerdem Opfergabe und Reinigungsmittel: Weihrauch, Myrrhe, Salbei, Wacholder und Beifuß wurden in Tempeln, Kirchen, Krankenzimmern und Ställen verräuchert. Diese Traditionen des Räucherns laufen bis heute neben dem Rauchen her, sind aber, wie eingangs beschrieben, etwas anderes.
| Region und Zeit | Pflanzen | Zweck | Form |
|---|---|---|---|
| Römische Antike, 1. Jahrhundert | Huflattich | Heilmittel gegen Husten | Rauch von Kohlen durch ein Rohr eingeatmet |
| Indien, Antike bis heute | Kräuterstäbe verschiedener Rezeptur, Stechapfel | Ayurvedische Therapie der Atemwege | Rauchstab, Pfeife, später Bidi |
| Nordamerika, vorkolonial bis 19. Jahrhundert | Bärentraube, Hartriegelrinde, Sumach, Tabak | Ritual, Diplomatie, Genuss, Streckung | Steinpfeife, Mischung „Kinnikinnick“ |
| England, 17. bis frühes 20. Jahrhundert | Huflattich, Betonie, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Kamille | Tabakalternative, Hustenmittel | Pfeife, „herb tobacco“ aus der Apotheke |
| Europa und Nordamerika, 19. bis mittleres 20. Jahrhundert | Stechapfel, Tollkirsche, Bilsenkraut, Lobelie, Salpeter | Asthmatherapie | Asthmazigarette, Räucherpulver |
| Deutschland, Weltkriege | Buchenlaub, Hopfen, Huflattich, Kirsch- und Brombeerblätter | Ersatz für fehlenden Tabak | Selbstgedrehte Zigarette, Pfeife |
| Weltweit, seit den 1970er-Jahren | Damiana, Königskerze, Himbeerblatt, Minze, Rose, Eisenkraut | Requisite, Rauchstopp, nikotinfreier Genuss | Maschinell gefertigte Kräuterzigarette |
Die Asthmazigarette: ein Lehrstück

Kaum ein Kapitel der Medizingeschichte zeigt so anschaulich, was passiert, wenn ein wirksamer Stoff in eine falsche Darreichungsform gerät, wie die Geschichte der Asthmazigarette. Sie erklärt zugleich, warum die moderne Kräuterzigarette so betont wirkungslos sein will und warum das Gesetz ihr jedes Gesundheitsversprechen verbietet.
Von Indien nach Europa
Am Anfang steht eine Beobachtung britischer Ärzte in Indien um 1800: Einheimische Heiler ließen Asthmakranke die getrockneten Blätter und Wurzeln des Stechapfels rauchen, und die Anfälle ließen nach. Ein hoher britischer Offizier, selbst Asthmatiker, probierte die Methode, fand Erleichterung und brachte sie nach England; ein Arzt aus Madras schickte Pflanzenmaterial hinterher. Schon wenige Jahre später ersetzten englische Ärzte die indische Art durch den heimischen Gemeinen Stechapfel Datura stramonium, der überall wuchs, und empfahlen das Rauchen der Blätter in der Pfeife gegen Asthma. Die Nachricht verbreitete sich schnell durch die medizinischen Zeitschriften Europas und Nordamerikas, denn Asthma galt als weitgehend unbehandelbar, und hier war endlich etwas, das spürbar wirkte.
Ein Markt entsteht
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde aus der ärztlichen Empfehlung ein Geschäft. Apotheken und Hersteller boten Stechapfelblätter zum Rauchen an, dann fertige Asthmazigaretten, Räucherpulver und mit Salpeter getränkte Papiere, die man in der Schale anzündete, um den Rauch im Zimmer einzuatmen. Zu den bekanntesten Produkten gehörten die im späten 19. Jahrhundert in England beworbenen „Cigares de Joy“, deren Anzeigen Linderung bei Asthma, Bronchitis, Husten und Heuschnupfen versprachen und das Rauchen ausdrücklich auch für Kinder als unbedenklich anpriesen, und in den Vereinigten Staaten Präparate wie „Asthmador“, als Pulver und als Zigarette verkauft. Die Reklame jener Zeit versprach mit der Selbstverständlichkeit der Patentmedizin-Ära Hilfe gegen nahezu jedes Atemwegsleiden – eine Werbesprache, die heute als Inbegriff dessen gilt, was ein Raucherzeugnis nicht behaupten darf. Die Rezepturen kombinierten Stechapfel mit Tollkirsche, Bilsenkraut, Lobelie, Eukalyptus oder Kalisalpeter, der den Abbrand förderte; Aromen wie Anis und Tee überdeckten den unangenehmen Geschmack. Auch in Deutschland führten Apotheken bis weit ins 20. Jahrhundert Asthmazigaretten, die als Arzneimittel galten. Von Marcel Proust, einem schweren Asthmatiker, ist überliefert, dass er sein Schlafzimmer regelmäßig mit stramoniumhaltigen Pulvern ausräucherte.
Was tatsächlich wirkte
Anders als bei den meisten Wundermitteln jener Zeit war die Wirkung real. Stechapfel, Tollkirsche und Bilsenkraut enthalten Tropanalkaloide – Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin –, die als Anticholinergika die Muskarinrezeptoren blockieren. In den Atemwegen bedeutet das: Die glatte Muskulatur der Bronchien entspannt sich, die Schleimproduktion geht zurück, der Widerstand sinkt. Über den Rauch gelangten die Alkaloide direkt dorthin, wo sie gebraucht wurden, und wirkten binnen Minuten. Das Prinzip hat die Medizin nie verworfen, im Gegenteil: Die inhalierbaren Anticholinergika, die heute in der Behandlung von Asthma und vor allem der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung eingesetzt werden, sind chemische Abkömmlinge der Tropanalkaloide, so verändert, dass sie in der Lunge bleiben und den Körper nicht überschwemmen. Die Asthmazigarette war insofern ein Vorläufer des Dosieraerosols – nur mit dem denkbar falschesten Vehikel.
Nebenwirkungen, Missbrauch und Ende
Das Vehikel war das Problem, in zweierlei Hinsicht. Erstens brachte der Rauch die Alkaloide zusammen mit all den Verbrennungsstoffen in die Lunge, die eine ohnehin entzündete Atemwegsschleimhaut am wenigsten brauchen konnte; der kurzfristige Gewinn wurde mit langfristigem Schaden bezahlt. Zweitens war die Dosis nicht zu steuern. Der Alkaloidgehalt der Blätter schwankt mit Sorte, Erntezeit und Lagerung, und wie viel davon beim Rauchen aufgenommen wird, hängt von Zugtiefe und Abbrand ab. Tropanalkaloide haben eine geringe therapeutische Breite: Wenig mehr als die wirksame Dosis führt zu Mundtrockenheit, Herzrasen, geweiteten Pupillen, Sehstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen und Delir. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts kam hinzu, dass Jugendliche die frei verkäuflichen Präparate gezielt in hohen Dosen einnahmen, um den halluzinogenen Effekt zu erleben – mit Notaufnahmen und Todesfällen als Folge. Parallel entwickelte die Pharmakologie bessere Werkzeuge: Adrenalin und Ephedrin, dann Theophyllin, ab den 1950er-Jahren die ersten Dosieraerosole mit bronchienerweiternden Wirkstoffen, ab den 1970er-Jahren gezielt inhalierbare Anticholinergika. Die Asthmazigarette wurde damit überflüssig und gefährlich zugleich; zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren verschwand sie in den meisten Ländern aus dem freien Verkauf.
Was daraus zu lernen ist
Die Episode ist mehr als eine Kuriosität. Sie zeigt erstens, dass „pflanzlich“ nichts über Wirkung und Gefahr aussagt: Der Stechapfel ist eine der pharmakologisch potentesten Pflanzen Europas, und wer ihn in eine Zigarette steckt, produziert ein unkontrolliert dosiertes Arzneimittel. Sie zeigt zweitens, dass ein Wirkstoff und seine Darreichungsform zwei verschiedene Dinge sind: Das Prinzip der Asthmazigarette lebt im modernen Inhalator weiter, ihre Form ist zu Recht ausgestorben. Sie zeigt drittens, wohin Gesundheitsversprechen für Raucherzeugnisse führen – zu Anzeigen, die einer Zigarette die Heilung von Asthma, Bronchitis, Husten und Heuschnupfen andichten und sie auch noch Kindern empfehlen. Und sie erklärt, warum die heutige Kräuterzigarette ist, was sie ist: ein Produkt, das aus neutralen, wirkungsarmen Pflanzen besteht, für das keine Wirkung beworben werden darf und das einen Warnhinweis trägt. Die Regulierung von 2014 ist, wenn man so will, die späte gesetzgeberische Antwort auf die Asthmazigaretten-Reklame des 19. Jahrhunderts.
Die moderne Kräuterzigarette seit dem 20. Jahrhundert
Zwischen dem Niedergang der Asthmazigarette und der heutigen Kräuterzigarette liegt ein Bruch. Das alte Produkt war Medizin, die rauchte; das neue ist ein Raucherzeugnis, das keine Medizin sein will. Drei Entwicklungen haben es geformt.
Die erste kam aus der Film- und Theaterbranche. Solange das Rauchen auf der Leinwand allgegenwärtig war – über Jahrzehnte auch, weil Tabakkonzerne für Produktplatzierungen bezahlten –, mussten Schauspielerinnen und Schauspieler rauchen, ob sie wollten oder nicht. Mit dem wachsenden Wissen über die Schäden des Tabaks und mit dem Arbeitsschutz am Set entstand ab den 1970er- und 1980er-Jahren ein Bedarf an Zigaretten, die aussahen und brannten wie echte, aber kein Nikotin lieferten. Kleine Hersteller in Großbritannien und den Vereinigten Staaten spezialisierten sich darauf; ihre Produkte, oft mit Honig oder Fruchtauszügen soßiert, wurden zum Standard der Requisitenabteilungen und sind es bis heute. Für die Branche ist die Kräuterzigarette kein Genussmittel, sondern ein Arbeitsmittel, das vor allem eines können muss: sich zuverlässig gleich verhalten.
Die zweite Entwicklung war die Natur- und Gesundheitsbewegung seit den 1970er-Jahren. In Reformhäusern, Bioläden und der Szene alternativer Lebensweisen fanden Kräutermischungen zum Rauchen ein Publikum, das Tabak ablehnte, aber das Rauchen nicht aufgeben wollte, und das den Kräutern zugleich Wohltätiges zutraute. Damiana, das mexikanische Traditionskraut, wurde in dieser Zeit zum Basiskraut der meisten Mischungen. Aus derselben Szene stammt allerdings auch die problematische Seite des Markts: die Suche nach „legalen“ Rauschkräutern, die vom Wilden Lattich über das Löwenohr bis zu den synthetisch besprühten Räuchermischungen der 2000er-Jahre führte und die Kräuterzigarette immer wieder in einen Verdacht brachte, den sie nicht verdient.
Die dritte Entwicklung ist die Rauchstoppbewegung. Mit den Nichtraucherschutzgesetzen, den Warnhinweisen und der wachsenden Zahl von Menschen, die aufhören wollen, entstand ein Markt für Übergangshilfen, und die Kräuterzigarette positionierte sich als eine davon: das Ritual behalten, das Nikotin weglassen. Die Fachwelt ist dem nie gefolgt, weil die Methode das Ritual verfestigt und die Schadstoffe nicht beseitigt; die Nachfrage ist trotzdem geblieben. Was bei einem Rauchstopp wirklich hilft, beschreibt die Schwesterseite zigarette.com.
Den rechtlichen Rahmen für all das schuf die Tabakproduktrichtlinie von 2014 mit ihrer deutschen Umsetzung 2016. Bis dahin fehlten für die Kräuterzigarette Warnhinweis und Meldepflicht; sie war kein Tabakerzeugnis, kein Arzneimittel und kein Lebensmittel – steuerlich allerdings schon lange den Zigaretten gleichgestellt. Seither ist sie ein pflanzliches Raucherzeugnis mit klaren Kennzeichnungs- und Meldepflichten. Eine ausdrückliche gesetzliche Altersgrenze gibt es für tabak- und nikotinfreie Kräuterzigaretten in Deutschland dagegen bis heute nicht; das Jugendschutzgesetz erfasst Tabakwaren, nikotinhaltige Erzeugnisse und E-Zigaretten. In der Praxis gibt der Handel sie trotzdem wie Tabakwaren nur an Erwachsene ab; in Österreich, wo die Altersgrenze ausdrücklich auch die verwandten Erzeugnisse einschließt, ist die Abgabe an Minderjährige untersagt. Die jüngsten Kapitel schreiben die Hanfzigarette, die ab 2017 von der Schweiz aus in den Markt kam, und die Kräutersticks für Erhitzer – beides Produkte, die das Etikett „Kräuter“ tragen, aber in andere Kategorien gehören.
Der Markt: Segmente und Herkunft
Kräuterzigaretten sind ein Nischenmarkt, und zwar ein so kleiner, dass belastbare Zahlen zu Absatz oder Umsatz nicht existieren; die amtlichen Statistiken erfassen Tabakwaren und seit einigen Jahren E-Zigaretten, aber keine pflanzlichen Raucherzeugnisse als eigene Größe. Was sich beschreiben lässt, sind die Segmente, die Herkunft und die Vertriebswege.
Segmente
- Requisitenware. Der stabilste Teil des Markts. Wenige spezialisierte Hersteller, vor allem in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, beliefern Filmproduktionen, Fernsehsender, Theater und den Fachhandel für Bühnenbedarf. Die Produkte sind auf gleichmäßigen Abbrand optimiert, in klassischen Formaten gehalten und oft in neutralen Packungen, weil am Set keine fremde Marke im Bild sein darf.
- Konsumware für Rauchstopp und nikotinfreien Genuss. Fertigzigaretten in Packungen, meist mit Filter, in verschiedenen Geschmacksrichtungen von neutral über Minze bis zu Frucht- und Honignoten. Hersteller sitzen vor allem in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, daneben in mehreren EU-Ländern; in Deutschland ist die Zahl der Produzenten klein.
- Lose Mischungen. Kräutertabak in Beuteln zum Selbstdrehen oder für die Pfeife, oft aus kleinen Manufakturen, die auch Tee und Räucherwerk anbieten. Dieses Segment ist am wenigsten standardisiert und am anfälligsten für zweifelhafte Wirkversprechen.
- Tabakfreie Wasserpfeifenmischungen. Rechtlich ebenfalls pflanzliche Raucherzeugnisse, praktisch ein eigener Markt mit eigenen Regeln, der von der Shisha-Gastronomie getragen wird. Wer auf Kohle raucht, nimmt in jedem Fall große Mengen Kohlenmonoxid auf, ob mit oder ohne Tabak.
- Hanfzigaretten und Kräutersticks. Die jungen Segmente, die mit Hanf beziehungsweise Erhitzertechnik arbeiten und in anderen Rechtsrahmen liegen. Sie wachsen schneller als die klassische Kräuterzigarette, gehören aber, wie oben beschrieben, nur bedingt zum Thema.
Herkunft und Rohstoffe
Auffällig ist, dass die klassischen Tabakländer kaum eine Rolle spielen. Die Kräuterzigarette ist ein Produkt jener Länder, in denen die Requisitenindustrie und die Rauchstoppbewegung früh stark waren, allen voran Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Die Rohstoffe kommen dagegen von überall her – Damiana aus Mexiko und Mittelamerika, Königskerze überwiegend aus Süd- und Osteuropa sowie dem Mittelmeerraum, Minze, Rosen und Himbeerblätter aus dem europäischen Kräuteranbau, Eisenkraut aus dem Mittelmeerraum. Ein eigener Fall ist China: Dort werden Produkte als „Kräuterzigaretten“ vermarktet, die in Wahrheit Tabakzigaretten mit Kräuterzusätzen sind und deren angebliche Schadstoffminderung sich in Untersuchungen nicht bestätigt hat. Wer im internationalen Handel auf den Begriff stößt, sollte deshalb immer prüfen, ob „herbal“ tabakfrei bedeutet oder nur ein Werbewort ist.
Vertrieb und Preis
Verkauft werden Kräuterzigaretten im Tabakfachhandel, in Geschäften für Theater- und Filmbedarf, in Kräuter- und Teeläden und vor allem online. Der Apothekenvertrieb, historisch der wichtigste Kanal, spielt seit dem Ende der Asthmazigarette keine Rolle mehr. Obwohl Kräuterzigaretten keinen Tabak enthalten, gelten sie für die Tabaksteuer als Zigaretten und tragen in Deutschland die Steuerbanderole; die verbreitete Annahme, sie seien steuerfrei, ist falsch. Zusammen mit den kleinen Stückzahlen, den teuren Rohstoffen in geprüfter Qualität und dem Aufwand für Meldung und Kennzeichnung, der sich auf wenige Packungen verteilt, erklärt das, warum sie preislich meist in der Größenordnung von Tabakzigaretten oder darüber liegen. Wie sich Steuer, Jugendschutz und Rauchverbote im Einzelnen auf den Kauf auswirken, steht auf der Seite Kauf & Recht.
Woran man ein seriöses Produkt erkennt
Unabhängig vom Segment gibt es einfache Kriterien. Ein seriöses pflanzliches Raucherzeugnis trägt den gesetzlichen Warnhinweis, nennt alle Bestandteile, verzichtet auf Huflattich und auf Pflanzen mit starker Eigenwirkung und verspricht keine gesundheitliche Wirkung – weder „entgiftend“ noch „beruhigend“ noch „lungenfreundlich“. Es kommt aus einer nachvollziehbaren Herkunft und ist ordentlich verpackt, damit die Feuchte stimmt. Fehlt eines dieser Merkmale, ist Zurückhaltung angebracht; fehlen mehrere, handelt es sich vermutlich nicht um eine Kräuterzigarette im hier beschriebenen Sinn.
Einordnung: was die Kräuterzigarette ist und was nicht
Am Ende lässt sich das Produkt in wenigen Sätzen zusammenfassen. Die Kräuterzigarette ist ein pflanzliches Raucherzeugnis: eine Zigarette, deren Füllung aus getrockneten Kräutern statt aus Tabak besteht, maschinell gerollt, mit Warnhinweis und Steuerzeichen versehen und im Handel faktisch nur an Erwachsene abgegeben. Sie enthält kein Nikotin und macht deshalb nicht stofflich abhängig – das ist ihr einziger, aber echter Vorteil gegenüber der Tabakzigarette. Sie erzeugt beim Verbrennen dieselben Schadstoffklassen wie jede andere Zigarette – das ist ihr entscheidender Nachteil gegenüber dem Nichtrauchen. Sie ist kein Arzneimittel, kein Genussmittel mit Zusatznutzen und kein Weg, „gesund“ zu rauchen. Sie ist eine hervorragende Requisite, ein umstrittenes Übergangswerkzeug beim Rauchstopp und für eine kleine Gruppe ein bewusster Konsum ohne Suchtstoff.
Ihre Geschichte reicht von den Huflattichkohlen der Antike über die Pfeifenmischungen Nordamerikas und die Ersatztabake der Kriegsjahre bis zu den Asthmazigaretten, deren Aufstieg und Fall die Lehre vom pflanzlichen Wirkstoff im falschen Vehikel erzählt. Das heutige Produkt hat aus dieser Geschichte die Bescheidenheit gelernt: Es will nicht mehr wirken, es will nur noch rauchen. Wer sich mit den einzelnen Bestandteilen befassen möchte, findet sie auf der Seite Typische Kräuter; wer wissen will, was der Rauch im Körper anrichtet, auf der Seite Wirkung und Risiken; wer die Fachbegriffe sucht, im Glossar. Und wer die Kräuterzigarette als Weg aus dem Tabak erwägt, sollte zuerst die Seite Rolle beim Rauchstopp lesen – sie ist bewusst nüchtern gehalten, weil das Ziel nicht die andere Zigarette ist, sondern keine.